Termini - Erklärung verwendeter Ausdrücke und Abkürzungen


Acker (z. B. Geroldsacker) = der Ort verödet, der Name nur als Ackername etc. erhalten

ackherlehen = Lehen ohne behauste Gründe

Altendorf = oft abgekommene Altsiedlung eines anderen, noch bestehenden Ortes

altes dorf

Altenmarkt = oft dörfliche Altsiedlung eines Gründungsmarktes

vor villen jaren abkhomen (z. B. N 177); die villen jare können oft nur ein paar Jahrzehnte sein

Pewnten, so vor zeiten behauste guter gewesen = Häuser sind zu Ackergrund geworden

curia inculta = unbebauter Hof (vor allem bei Zisterziensergütern)
curia deserta = wüster Hof (wie oben)
curia desolata = verlassener Hof

Danubius deglutavit (B344) = von der Donau weggeschwemmt emallen ain dorf, hat die Thunaw wegtrogen (D 199)

zu dorff ödt = der Ort öde, die Gründe (meist von der Nachbarschaft) bebaut darauf vorhin ein dorfl gestannden (H308 a)

... - dorf später nur als - hof benannt

mit dorn verwachsen = die Gründe verwildert, häufig im VUMB, besonders im Marchfeld

mit dorn und stawdach verwaxen = wie oben

dorf statt, dorfstätten = Ortsplatz eines ehemaligen Ortes; bei aufrechten Orten, die Dorfstatt, Dorfstätten etc. heißen, ist mit der Verödung der alte Name verlorengegangen, bei der Wiederbesiedlung blieb nur der Gattungsname „Dorfstatt etc." erhalten.

nur zu veld gepaut = die Häuser öd, die Äcker (von der Umgebung?) bebaut

zu feldt noch zu dorff nit paut = ganz öd (etwa H 219)

Feldlehen = bebaute Felder ohne Häuser

freyjar = verödete Orte, die neu bebaut werden, erhalten eine Anzahl von Jahren Abgabenfreiheit, besonders im 16. Jh. bei der kroatischen Neubesiedlung. Daher ist der Ausdruck meist ein Zeichen dafür, daß der Ort verödet war und wieder besiedelt wurde

garten, ist zuvor ain hauß gewesen

gerör oder gemos = Orte, die wegen der sumpfigen Lage verlassen wurden

vor zeiten gestiff t = jetzt öd, ebenso

gestift gewesen grangia desolata = verlassenes Zisterziensergut

grass und ror = versumpft

greidt und holcz = verwaldet oder mit Gestrüpp bewachsen

im grundt oder gründt = der Ort verschwand, nur die Gründe blieben übrig!

haidt = die Gründe verwildert

da vor heisser gestanden (z. B. S 370) holcz oder gehülz = der Ort verwaldet zu holcz worden = verwaldet

insula = gelegentlich vorher kleine Orte, die von der Donau zerstört wurden

mit Khrabaiten zuegestifft = im 15. Jh. verödete Orte, die im 16. und 17. Jh. mit kroatischen Zuwanderern neubestiftet werden

seidt kunig Matthiaschen khrieg öde = in den Ungarnkriegen der zweiten Hälfte des 15. Jh. zerstört, oft nur Anlaß und nicht Ursache

in den vngrischen khriegsleifen gantz verödt (etwa L377) in zeyt khunig Mathias verhört und abkhomen (R273)

in k h r i e g s l e f f n oed worden 1527 (B510) = wahrscheinlich im Ungarnkrieg zerstört

sider des Turkgen einczug (von 1529) nit erpawt (D217) durch den Turggenzug gar verderbt (129)

durch die kriegsruina (von 1620; seltener Fall, daß ein Ort nach dem Dreißig jährigen Krieg nicht mehr erbaut wurde = Nr. W329 durch krieg gar vergangen

lanea inculta = unbebaute Lehen (meist Zisterziensergüter)

Mühle = häufig blieb vom Ort nur die Mühle erhalten, vor allem dann, wenn die Orte abseitig lagen

öd = der häufigste Terminus

Ödeigen, Edeigen = Flurname für den Ortsplatz eines verödeten Ortes. FIN „in dem öden Aigen"

öder hof, ödes dorf, ödes gemäuer. Bei Wiederbesiedlung oft verbalhornt (z. B. Ehren-Höbarthen für Öden-Herborthen)

ödrecht, irrig auch erdrich = die Bewohner der Umgebung eines verödeten Ortes zahlen für die Gründe meist nur geringe Abgaben

ertrich, so kainen nutz bringen vnnd yeczo ain wildnus ist (HKA, Gedenkbuch nr. 6, f. 29 v)

rain und stain schier nahend gar verwachsen = die Grenzen (Grenzraine und -steine) kaum auffindbar

rörig = mit Sumpfgras verwachsen

wismad ganncz öd und sein mit staudn und ror verwachsn, der normen wais man nit zu erfarn bei den ambtleitn noch anndern alten lewtn 1497 (Urbar Maissau)

rudera (K 349) = nur mehr Siedlungsspuren

aufm Sant = sandiger, wasserarmer Boden, der oft zu Aufgabe von Orten zwingt (z. B. Nr. L141, N81)

schafferhof, schafferey = aufgegebene Orte, wo nur mehr Schafhaltung betrieben wird, besonders im 16. Jh.

streiß und gehülz = verwachsen 

an den thamb stossend = neben einem Teich, dadurch oft durch Überschwemmung zerstört (A139 c)

Teich = oft letzte Spur einer durch die Teicherrichtung zerstörten Ortschaft da der t e i c h ist aufgeswellet (B328)

durch den teicht ausgedrennkt (B377)

ain grossen teicht geschut - alles (die Häuser) in selben teicht ligt (E 23)

item so haben die zu Leyss dint wisgelt 2 Pfund Pfennig, das diennen sy yeczo nicht, sider der herr den teicht daselbst hat und innen etlich grünt trenckht (ca. 1520) (NÖLA, Hs. Nr. 441, f. 28 r)

Überländ = häufig Gründe eines verödeten Ortes, die an die Umgebung zu etwas erhöhtem Zins ausgegeben werden

ungebaut = nicht angebaut (die Felder!)

ungestifft = keine Bauern vorhanden, oft der Anlaß zur Verwaldung etc. der Gründe

vrbar = hier meist: Überländ

verwachsen (mit Holz) = verwaldet

quondam villa (etwa G198) = verlassenes Dorf
villa deserta = wüstes Dorf
villa desolata = verlassenes Dorf
ville destructa = zerstörtes Dorf 

Weide = oft werden verlassene Ortschaften, besonders im Marchfeld, nur mehr als Weide benutzt: als ain waid gebraucht, „Waidgeld" von anderen Orten bezahlt.

auf der waidt zu Matzen wachsen vill khranibethstauden 1530 (AfNÖ, KG Stockerau, Hs. 116/1, f, 3 r)

waiß auch niemant nichts (über die Bestiftung oder die Abgaben (etwa R 353) = die Gründe schon längere Zeit verödet, oft werden sie auch von den um liegenden Orten genutzt, die die Abgaben verschwiegen haben

Wald = besonders im Waldviertel sind zahlreiche nicht recht lebensfähige Kleinorte wieder verwaldet, oft kaum ein Jahrhundert nach der Errichtung hat

das wasser hingebrochen = meist Kleinsiedlungen an der Donau, aber auch an den Nebenflüssen (R 39)

ligt im wasser (L 146)

aber das wasser vor jarn alles wegkhgrissen (etwa Z 19)

das wasser hatn als wegkhtragen (S 488 a)

nun durch den wasserpruch verödt (L 257)

wasserhalben nit zu geniessen

mit dem weyer (oder teucht) austrenkt (H297) = vor allem im Spätmittelalter, wo die Bevölkerungszahl stark sank, wurde die arbeitsextensive Teich wirtschaft forciert, man denke auch an den weit größeren Fischbedarf durch die langen Fastenzeiten

nur Zehent als Abgabe = wenn keine Häuser mehr bestanden, zahlten die Nachbargemeinden sehr oft nur mehr den Zehent an die Grundherrschaften

 


© Michael Ambrosch 2009  -  Datum der letzten Bearbeitung / Aktualisierung: 01. Dezember 2009